Charlottenburg-Wilmersdorf

Berlin-Charlottenburg-Wilmersdorf

Der vierte Berliner Verwaltungsbezirk Charlottenburg-Wilmersdorf entstand im Zuge der Berliner Verwaltungsreform von 2001, bei der die beiden vormals selbstständigen (ehemals Westberliner) Bezirke zusammengelegt wurden. Es ist ein bürgerlicher Wohnort mit sehr vorteilhafter Sozialstruktur und den umsatzstärksten Geschäften in Berlin. Die Technische Universität hat hier ihren Sitz, sie gehört zur Exzellenzstrategie des Bundes. Am Kurfürstendamm verleiht die Europäische Filmakademie alljährlich den Europäischen Filmpreis.

  • Einwohner: 341.392 am 31. Dezember 2020
  • Fläche: 64,72 km²
  • Bevölkerungsdichte: 5.275 Einwohner/km²

Charlottenburg-Willmersdorf: Architektur

Der Berliner Funkturm überragt den Stadtbezirk, er wurde 1926 erbaut. Wichtige Bauwerke in Charlottenburg-Willmersdorf sind:

  • Schloss Charlottenburg
  • Villa Oppenheim
  • Gedächtniskirche am Breitscheidplatz
  • Europa-Center
  • Grunewaldturm
  • Palais Mendelssohn
  • Villenkolonie Westend
  • Künstlerkolonie in Wilmersdorf
  • Gedenkstätte Plötzensee
  • Sakralbauten: Luisenkirche (Schinkel-Bau), St. George’s Anglican-Episcopal-Church, Dänische Christianskirken, Kirche am Lietzensee, Kirche der schwedischen Victoriagemeinde, Herz-Jesu-Kirche, Kirche am Hohenzollernplatz, Hochmeister-, Grunewald-, Trinitatis-, Linden-, Salvator-, St.-Albertus-Magnus-, St. Canisius-, St.-Ludwig- und Heilig-Kreuz-Kirche

Die

Villa Oppenheim

wurde vom Architekten Christian Heidecke auf Geheiß von Otto und Margarethe Oppenheim bis 1882 im Stil der Neorenaissance errichtet, sie ist heute ein Museum. Vorbilder beim Bau waren venezianische Renaissancevillen. Die unter Denkmalschutz stehende Villa wird immer noch teilweise als Villa Sorgenfrei bezeichnet, was sich aus ihrer Geschichte herleitet: Einst gehörte das Gelände zum Charlottenburger Schloss, wurden dann vom Bankier Alexander Mendelssohn erworben und mit einer Vorläufervilla bebaut, welcher der Besitzer den Namen „Sans Souci“ (sorgenfrei) in Anlehnung an das berühmte Potsdamer Vorbild gab. Oppenheim erbte die Villa durch Heirat in die Familie Mendelssohn, ließ die Vorgängervilla „Sorgenfrei“ abreißen und beauftragte den heute noch bestehenden Neubau. 1911 verkaufte ihn die Familie an die damals eigenständige Stadt Charlottenburg, die erst durch das Groß-Berlin-Gesetz von 1920 nach Berlin eingemeindet wurde. Die Villa wurde in den folgenden Jahrzehnten mehrfach umgebaut, erlitt im Krieg Schäden und wurde schließlich bis 1987 restauriert. Seither ist sie Galerie und Museum. Das

Schloss Charlottenburg

wurde ab 1695 errichtet und erst 1791 fertiggestellt. Zwischen 1701 und 1888 nutzten es die preußischen Könige als Sommerresidenz. Die ausführenden Architekten waren Johann Friedrich Eosander, Wenzeslaus von Knobelsdorff und schließlich Carl Gotthard Langhans. Durch die lange Bauzeit vereint das Schloss die Stile des Barocks und der nachfolgenden Epochen Rokoko und Klassizismus. Der Schlosspark liegt an der Spree, ihn ließ ab 1697 der Gartenbaumeister Siméon Godeau im Stil eines französischen Gartens anlegen. Ab 1819 schließlich gestaltete ihn Peter Joseph Lenné zu einem englischen Garten um. Heute verwaltet die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten das Schloss Charlottenburg. Seit 1990 gehört es zum UNESCO-Welterbe. Die

Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche

wurde vom Architekten Franz Schwechten im Auftrag von Kaiser Wilhelm II. errichtet, der damit seines Großvaters Kaiser Wilhelm I. gedachte. Als Bauherr fungierte der Berliner Evangelische Kirchenbauverein. Der Bau erfolgte zwischen 1891 und 1895 im Stil der Neoromanik. Die Kirche ist heute als Ruine ein Mahnmal. Ihre ursprüngliche Höhe betrug 113 m, die Turmruine ist 71 m hoch. 1943 erlitt die Gedächtniskirche durch einen Bombenangriff schwerste Beschädigungen. Nach dem Krieg setzte ein Streit um einen eventuellen Wiederaufbau ein. Schließlich einigte man sich auf den Erhalt der Ruine mit dem 71 m hohen Turm, während das Kirchenschiff abgerissen wurde. Die Ruine soll an die Folgen des Krieges gemahnen. Ab 1959 wurde ein vierteiliges Bauensemble neu angebaut, ausführender Architekt war Egon Eiermann. Er wählte als Baustil die Moderne und schuf ein Kirchenschiff, einen Kirchturm, eine Kapelle und ein Foyer. Die Gedächtniskirche ist eines der Wahrzeichen im Westteil der Stadt, was auch an ihrer prominenten Platzierung unweit des Ku´damms und des Europa-Centers liegt. Sie gehört in Berlin zu den beliebtesten Sehenswürdigkeiten. Seit 1987 befindet sich in ihr eine Gedenkhalle.

Kultur in Charlottenburg-Willmersdorf

Der Stadtbezirk beherbergt wie erwähnt die Europäische Filmakademie, außerdem das Theater des Westens, die Schaubühne am Lehniner Platz, das Schiller-Theater, die Deutsche Oper Berlin sowie das Theater und die Komödie am Kurfürstendamm. Auch die Waldbühne, in der regelmäßig große Open-Air-Spektakel stattfinden, gehört zu Charlottenburg-Willmersdorf. Unter den Kabarett- und Kleinkunstbühnen sind diese sehr prominent:

  • Bar jeder Vernunft
  • Quasimodo (Jazz)
  • Stachelschweine (Spielstätte: Europa-Center)
  • Haus der Berliner Festspiele
  • Café im Literaturhaus

Wie das Café im Literaturhaus vereinen viele Bars und Klubs die Gastronomie mit Kleinkunst, was in Berlin eine sehr lange Tradition hat. Dadurch wurden die Monkey Bar, die Paris Bar und selbst das Café Kranzler international bekannt, obgleich in Letzterem nur eher gelegentlich live gespielte Caféhausmusik zu den Darbietungen gehört. Einige wichtige Museen in Charlottenburg-Willmersdorf ziehen ebenfalls internationale Gäste an. Dazu gehören das Museum Berggruen (Werke unter anderem von Pablo Picasso, Paul Klee, Henri Matisse und Alberto Giacometti), das Bröhan-Museum (Wohnstile zwischen Jugendstil, Funktionalismus und Art Déco) sowie das C/O Berlin (Fotografie unter anderem von Paul Newton). Wichtige Kinos sind das Delphi, der Zoo Palast und das Cinema Paris.

Charlottenburg-Willmersdorf: Sport

Das Berliner Olympiastadion liegt in Charlottenburg-Willmersdorf. Es wurde ab 1934 erbaut und für die Olympischen Spiele 1936 eröffnet. Der Architekt war Werner March. Für die Hertha BSC und den 1. FC Union Berlin ist es das Heimstadion. Schon seit 1936 trug hier die deutsche Fußballnationalmannschaft ihre Länderspiele aus, ab 1937 folgte die ISTAF Berlin, 1974 war es ein Austragungsort der Fußball-WM. Seit 1985 finden im Stadion die DFB-Pokalendspiele statt, die der Männer nach wie vor (Stand: 2021), die der Frauen bis 2009. Weitere wichtige Spiele und Wettbewerbe waren das Finalrückspiel des UEFA-Pokals 1985/86, die Leichtathletik-WM der Behinderten 1994, die Fußball-WM 2006, die Leichtathletik-WM 2009, die Fußball-WM der Frauen 2011, das UEFA-Champions-League-Finale 2015 und die Leichtathletik-EM 2018. Auch während der Fußball-EM 2024 werden wieder Spiele im Berliner Olympiastadion stattfinden. Zum Zeitpunkt seiner ersten Eröffnung 1936 fasste das Stadion 100.000 Zuschauer, momentan bietet es 74.475 Sitzplätze. Des Weiteren ist in Charlottenburg-Willmersdorf der Breitensport gut vertreten. Im Sommergarten des Westender Messegeländes fand 2017 der Global Jumping Berlin (Springreiterturnier, das weltweit tourt) statt. Das im Stadtbezirk beheimatete Steffi Graf Stadion richtet den Grass Court Championship aus.

Veranstaltungen in Charlottenburg-Willmersdorf

Es gibt in dem vergleichsweise wohlhabenden Stadtbezirk viele sehr interessante Veranstaltungen mit gehobenem Niveau. Insgesamt wären zu nennen:

  • Internationales Literaturfestival Berlin (Haus der Berliner Festspiele)
  • Christopher Street Day (Beginn am Ku´damm)
  • Classic Days Berlin (Oldtimer-Showparade)
  • Berlinale unter anderem im Zoo Palast
  • Open-Air-Konzert der Berliner Philharmoniker auf der Waldbühne
  • Rheingauer Weinbrunnen (Rüdesheimer Platz, sommerliche Dauerveranstaltung)
  • „Thaiwiese“ im Preußenpark
  • Weihnachtsmärkte am Schloss Charlottenburg, an der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche, auf der Wilmersdorfer Straße und in Kirchen der ausländischen Gemeinden (Christianskirken, St. George’s Church)

Charlottenburg-Willmersdorf: Siedlungsstruktur

Es herrscht im Vergleich zu anderen Berliner Stadtbezirken ein hohes Einkommensniveau, wobei der Bezirk unterschiedlich dicht besiedelt ist. Eine hohe Bevölkerungsdichte findet sich in Willmersdorf, Charlottenburg und Halensee, während der Ortsteil Grunewald zu den am dünnsten besiedelten Berliner Ortsteilen gehört. Seine Fläche macht über ein Drittel von Charlottenburg-Willmersdorf aus, doch es leben hier nur drei Prozent der Einwohner des Bezirks. Das liegt am Forst Grunewald, von dem der Ortsteil seinen Namen hat und der zusammen mit einigen Wasserflächen 85 Prozent seiner Fläche einnimmt. Charlottenburg mit dem Kurfürstendamm und benachbarten Geschäftsstraßen, der Gedächtniskirche und dem Europa-Center ist das eigentliche Zentrum Westberlins. Die Einkaufsmeile Ku´damm ist legendär, zudem treffen sich hier wie kaum irgendwo sonst in Europa Kultur und Commerz. Auch als Filmkulisse spielt dieses Areal immer eine Rolle, das bis heute (2021) seine Zentrumsfunktion für das traditionelle Westberlin behalten hat.

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