Friedrichsain-Kreuzberg

Berlin-Friedrichshain-Kreuzberg

Der Berliner Stadtbezirk Friedrichshain-Kreuzberg ist Berlins zweiter von 12 Verwaltungsbezirken, unter diesen der flächenkleinste und am dichtesten besiedeltste. Bemerkenswert ist auch die Bevölkerungsstruktur: In Friedrichshain-Kreuzberg leben die jüngsten Berliner*innen. Der Bezirk ist ein 2001 erfolgter Zusammenschluss zweier zuvor eigenständiger Bezirke: Kreuzberg (West) und Friedrichshain (Ost). Die beiden umsatzstärksten Berliner Unternehmen haben hier ihren Sitz, nämlich der Onlinehändler Zalando und die Axel Springer SE. Der Bezirk liegt zentral und zieht die Kreativszene sowie viele Künstler an. Das Kultur- und Nachtleben genießt international einen ausgezeichneten Ruf.

  • Einwohner: 289.787 am 31. Dezember 2020
  • Fläche: 20,34 km²
  • Bevölkerungsdichte: 14.247 Einwohner/km²

Lage von Friedrichshain-Kreuzberg

Friedrichshain-Kreuzberg repräsentiert die eigentliche geografische Mitte Berlins, die man eigentlich dem Bezirk Mitte zuschreiben würde. Die Adresse Alexandrinenstraße 12 in Kreuzberg ist glatt die geometrische Mitte Berlins. Im Norden von Friedrichshain-Kreuzberg liegen die Bezirke Mitte und Pankow, im Osten Lichtenberg, im Süden Neukölln und Treptow-Köpenick, im Westen/Südwesten Tempelhof-Schöneberg. Die Ortsteile Friedrichshain und Kreuzberg trennt die Spree, die früher die Staatsgrenze der DDR war. Kreuzberg ist ein traditionelles Westberliner, Friedrichshain ein traditionelles Ostberliner Szeneviertel. Der Zuzug in den Stadtbezirk hält trotz der Mietexplosion unvermindert an. Jüngere Menschen halten die beiden Stadtteilhälften nicht mehr nach ehemals Ost oder West auseinander. Sie betrachten den Stadtbezirk längst als Ganzes und kürzen ihn mit „Xhain“, „Kreuzhain“ oder „FR-KR“ ab. Friedrichshain-Kreuzberg hat sogar eine Exklave, nämlich den Großen Wall. Dies ist eine Flussinsel der Spree, die eigentlich zum Ortsteil Hakenfelde im Bezirk Spandau gehört. Sie ist aber dem Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg unterstellt, was als Kuriosität gilt.

In Friedrichshain-Kreuzberg ansässige Hochschulen

Im Stadtbezirk sind einige wichtige Berliner Hochschulen und Fachhochschulen angesiedelt. Es sind dies die Steinbeis-Hochschule, die University of Applied-Sciences Europe, die CODE-University of Applied Sciences (trotz des sehr ähnlichen Namens eine andere Einrichtung) und die DEKRA-Hochschule für Medien.

Kulturelle Einrichtungen

Hier wäre das Tempodrom als bekanntester Veranstaltungsort zu nennen, es wurde erstmals 1980 direkt neben der Berliner Mauer errichtet. Die Stifterin war die ehemalige Krankenschwester Irene Moessinger, die ein Vermögen geerbt hatte. Zunächst war das Tempodrom ein Zirkuszelt, das innerhalb Berlins mehrmals umzog und aus dem schließlich ab 2001 das heutige feste Gebäude wurde, das in seiner heutigen Form sehr stark an ein Zirkuszelt erinnert. Weitere wichtige Spielstätten in Friedrichshain-Kreuzberg sind die Markthalle IX, die St.-Thomas-Kirche, die Ruine des früheren Anhalter Bahnhofs sowie die Kinos und Theater HAU (Theater Hebbel am Ufer), English Theatre Berlin, das Freiluftkino Friedrichshain und das Moviemento, um nur die wichtigsten zu nennen. Unter den Museen ist das Jüdische Museum Berlin sehr bemerkenswert, das das größte seiner Art in Europa ist und auf die vergangenen 1.700 Jahre der deutsch-jüdischen Geschichte fokussiert. Die jüngste Dauerausstellung wurde im August 2020 eröffnet. Das Museum, das auch eine Bibliothek, ein Archiv und die nach Michael Blumenthal benannte Akademie beherbergt, hatte einen Vorläufer in der Oranienburger Straße in Mitte, der im Januar 1933 wenige Tage vor der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten eröffnet worden war. Es war das damals das erste Jüdische Museum der Welt. Die Gestapo schloss dieses Museum im November 1938 im Zusammenhang mit den Novemberpogromen gegen Juden und beschlagnahmte das Inventar, das nach dem Krieg in Teilen nach Los Angeles und Jerusalem verbracht wurde. 1971 beging die Berliner Jüdische Gemeinde ihren 300. Jahrestag und beschloss die Neueröffnung eines Jüdischen Museums, für welches das Berlin-Museum erweitert werden sollte. 1989 gewann der Architektenstar Daniel Libeskind den diesbezüglichen Wettbewerb, 1992 legte man den Grundstein für die Erweiterung bzw. den Neubau, im Januar 1999 erfolgte die Gründung. Im selben Jahr erhielt das Gebäude den Deutschen Architekturpreis. Die erste Ausstellung folgte erst 2001. Die Finanzierung des Museums erfolgt heute über eine Bundesstiftung. Ein weiteres architektonisch sehr bedeutsames Haus ist der Martin-Gropius-Bau, der große temporäre Ausstellungen zeigt. Er gilt als einer der bedeutendsten deutschen Museumsbauten des 19. Jahrhunderts. Bis 1990 stand er auf der Westberliner Seite direkt an der Mauer. Seit 2001 ist die Berliner Festspielgesellschaft die Betreiberin des Martin-Gropius-Baus, die zusammen mit sechs weiteren Institutionen die Ausstellungen plant. Weitere wichtige Museen sind in Friedrichshain-Kreuzberg:

  • Deutsches Technikmuseum
  • Berlinische Galerie
  • Künstlerhaus Bethanien
  • Ramones Museum
  • Friedrichshain-Kreuzberg Museum FHXB

In Friedrichshain-Kreuzberg sind etliche wichtige Berliner Szeneklubs ansässig. Hier wären als die bekanntesten zu nennen:

  • Watergate
  • RAW-Friedrichshain
  • Prinzipal Kreuzberg
  • Club SO36
  • Berghain
  • Wilde Renate

Zudem finden im Stadtbezirk große Festivals statt, so der Karneval der Kulturen, Myfest, das Bergmannstraßenfest und Suicide Circus.

Darstellung von Friedrichshain-Kreuzberg in der Kunst

Der Stadtbezirk ist einer der beliebtesten Drehorte für deutsche und europäische Filme. Wenn in einem Film „typisch Berlin“ dargestellt werden soll, wählen die Produzenten sehr gern die Kulisse von Friedrichshain-Kreuzberg. Pro Jahr werden rund 350 bis 400 Drehgenehmigungen erteilt. Seit den 2010er-Jahren haben sich hier zudem viele Influencer angesiedelt, die in den sozialen Medien von ihrem Wohnort berichten.

Der Sport in Friedrichshain-Kreuzberg

Im Stadtbezirk ist eine wichtige Sportstätte die Mercedes-Benz Arena, Heimspielstätte von ALBA Berlin (vielfacher deutscher Meister im Basketball) und der Eisbären Berlin (DEL-Eishockey-Rekordmeister). Oft werden hier auch internationale Sportveranstaltungen ausgetragen. Im Tempodrom findet das professionelle Snookerturnier German Masters statt, es gehört zur Snooker Main Tour. Die Skate­halle Berlin in Friedrichshain-Kreuzberg ist eine der größten europäischen Hallen für Skater, ihre überdachte Fläche ist mehr als 6.000 m² groß. Der Skaterverband DRIV betreibt hier einen seiner vier Regionalstützpunkte. Der Fußballplatz der Mannschaft Blau Weiß Friedrichshain befindet sich auf einem Großmarktdach und ist dabei FIFA-konform, was in Berlin als Besonderheit gilt. Vom SC Kreuzberg kamen schon mehrere deutsche Schachmeister und Großmeister. Die in Friedrichshain-Kreuzberg ansässigen Berlin Bombshells waren 2013 der Deutsche Meister im Rollerderby.

Naherholung

Friedrichshain-Kreuzberg hat mehrere sehr schöne Parks und gilt als grüner Stadtbezirk. Zu nennen wären auf jeden Fall:

  • Volkspark Friedrichshain
  • Görlitzer Park
  • Park an East Side Gallery und der Spree
  • Viktoriapark am Kreuzberg)

Friedrichshain-Kreuzberg: Wirtschaft

Im Stadtbezirk haben wichtige Unternehmen ihren Sitz, die auch in Leitindizes wie dem DAX und CDAX gelistet sind. Dazu gehören der Modehändler Zalando (DAX), der Hersteller von Edelsteinschmuck elumeo Gruppe, der Softwareinstrumenteproduzent Native Instruments, der E-Motorroller-Hersteller Unu, der Onlinehändler rebuy, und die AUTO1 Group. Des Weiteren sind im Stadtbezirk die Bundesdruckerei und die Handwerkskammer Berlin angesiedelt. Coca-Cola und Universal Music haben ihre Deutschland-Dependancen in Friedrichshain-Kreuzberg. Im Gewerbebereich sind vor allem in Kreuzberg aus traditionellen Gründen sehr viele türkischstämmige Inhaber zu finden. Eine wichtige wirtschaftliche Rolle spielen für den Stadtbezirk große Medienunternehmen. Die wichtigsten sind:

  • Axel Springer SE (Hauptsitz)
  • Der Tagesspiegel
  • taz
  • Neues Deutschland
  • Die Zeit (Onlineredaktion)
  • Handelsblatt
  • 032c (Kulturmagazin)
  • Cicero
  • 11 Freunde (Fußballkultur)

Hinzu kommen Radiosender und seit den 2000er-Jahren wichtige Internetplattformen und Blogger.

Geschichte des Stadtbezirks im 20. Jahrhundert

Friedrichshain und Kreuzberg entstanden im Jahr 1920 bei der Gründung von Groß-Berlin. Der neue Name Friedrichshain wurde von einem gleichnamigen Volkspark abgeleitet, der nach Friedrich II. benannt worden war. Kreuzberg wurde aus mehreren vorherigen kleineren Bezirken gebildet und nach der Anhöhe Kreuzberg im Viktoriapark benannt. Nach der Berliner Teilung war Kreuzberg ein Westberliner, Friedrichshain ein Ostberliner Stadtbezirk. Die Vereinigung zu Friedrichshain-Kreuzberg erfolgte 2001 nach einer großen Berliner Verwaltungsreform. Hierfür wurde ein neues Bezirksamt mit Sitz in der Frankfurter Allee geschaffen, während die ehemaligen Rathäuser in Friedrichshain und Kreuzberg zu Bürgerämtern wurden. Der neue Stadtbezirk gab sich auch ein neues Wappen. Durch einen Flächentausch mit Tempelhof-Schöneberg im Jahr 2014 änderte sich nochmals der Grundriss von Friedrichshain-Kreuzberg.

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