Berlin-Mitte

Berlin-Mitte

Der erste Berliner Stadtbezirk Mitte entstand mit der 2001 durchgeführten Verwaltungsreform der Hauptstadt und ist derjenige mit den zweitjüngsten Einwohnern. Für den neuen Bezirk Mitte wurden damals der alte Bezirk Mitte sowie Wedding und Tiergarten zusammengelegt. Heute befinden sich hier neben dem Regierungssitz die meisten deutschen Verfassungsorgane, die meisten Botschaften anderer Staaten sowie Institutionen und Behörden des Landes Berlin. Internationale Unternehmen haben hier ebenfalls ihren Hauptsitz oder Zweigstellen. Zudem sind wichtige kulturelle Institutionen in Mitte angesiedelt. Nicht zuletzt ist Berlin-Mitte ein international bekanntes Gründerzentrum.

  • Einwohner: 383.360 am 31. Dezember 2020
  • Fläche: 39,47 km²
  • Bevölkerungsdichte: 9.713 Einwohner/km²

Das Regierungsviertel in Berlin Mitte

Zentral für das Regierungsviertel ist der Reichstag Platz der Republik), in dem seit 1999 der Deutscher Bundestag seine Sitzungen abhält. In unmittelbarer Nähe befindet sich das Bundeskanzleramt. Der Architekt des Reichstages war Paul Wallot. Die Grundsteinlegung erfolgte 1884, die Schlusssteinlegung 1894. Der architektonische Stil entspricht der Neorenaissance. Im Gebäude tagten die Reichstage des Deutschen Kaiserreiches und der Weimarer Republik, bis es 1933 durch den Reichstagsbrand schwer beschädigt wurde. Noch größere Zerstörungen richtete der Zweite Weltkrieg an. Ab den 1960er-Jahren erfolgte der Wiederaufbau in leicht veränderter, modernisierter Form. Zunächst fanden danach im Reichstag Sonderveranstaltungen statt, er war auch ein Ausstellungsort. Der Architekt Norman Foster gestaltete ihn dann zwischen 1995 und 1999 um, damit er als Parlamentsgebäude genutzt werden konnte, was ab April 1999 geschah. Damals entstand die begehbare Glaskuppel, für die Gottfried Böhm die Vorlage schuf und die heute zu den größten Touristenmagneten Berlins und Deutschlands gehört. Der Bau des Reichstages in den 1880er- bis 1890er-Jahren war nötig geworden, als der vorherige Reichstag im Berliner Preußischen Herrenhaus nach der Reichsgründung 1871 zu klein geworden war. Der Bau wurde schon in der Vorbereitungsphase von Schwierigkeiten begleitet, unter anderem musste sich der Architekt Wallot mit vielen Änderungswünschen auseinandersetzen. Ein besonderes Problem war die Kuppel, für die dann der Berliner Bauingenieur Hermann Zimmermann eine technische Lösung in Form eines stählernen Raumfachwerks fand, das damals eine herausragende bautechnische Raffinesse darstellte (sogenannte Zimmermann-Kuppel, „geniale Tragwerksmaschine“). Der Stil des Historismus wurde damals üblicherweise für Regierungsbauten verwendet. Wallot gestaltete die Außenformen als italienischen Neorenaissancebau, der auch Elemente der deutschen Renaissance, etwas Neobarock und Stahl-/Glaskonstruktionen aufwies. Das Gebäude wurde zwar in der Fachwelt gelobt, stieß aber auch auf Kritik. Der Berliner Architekt Ludwig Hoffmann bezeichnete es als „Leichenwagen erster Klasse“. Kaiser Wilhelm II. äußerte sich öffentlich lobend, hinter vorgehaltener Hand aber mit Schmähkritik. Von Vertrauten ist überliefert, dass er den neuen Reichstag für eine „völlig verunglückte Schöpfung“, einen „Gipfel der Geschmacklosigkeit“, ja sogar für ein „Reichsaffenhaus“ hielt. Weitere wichtige Regierungs- und Institutionengebäude im Regierungsviertel sind:

  • Kanzleramtsgebäude
  • Bundesratsgebäude
  • Bundesministerien
  • Schloss Bellevue (Sitz des Bundespräsidenten)
  • Paul-Löbe-Haus und Marie-Elisabeth-Lüders-Haus mit den Abgeordnetenbüros
  • historisches Reichstagspräsidentenpalais, Sitz der Deutschen Parlamentarische Gesellschaft
  • Bundesländervertretungen
  • Botschaften anderer Staaten (Tiergartenviertel)
  • Bundesnachrichtendienst

Berlin Mitte: Architektur

Wie alle Berliner Stadtbezirke wirkt auch Mitte architektonisch – gemessen an der Größe und Bedeutung der Stadt – eher unauffällig. Dennoch gibt es Bauwerke aus verschiedenen Epochen, die zu Anziehungspunkten wurden. Sie stammen aus verschiedensten Epochen. Neben dem Brandenburger Tor (dem wichtigsten Wahrzeichen Berlins), dem Fernsehturm auf dem Ostberliner Alexanderplatz und dem Berliner Dom wären zu nennen:

  • Humboldt-Forum
  • Haus der Kulturen
  • Sowjetisches Ehrenmal
  • Carillon
  • Berliner Siegessäule
  • Altes Stadthaus
  • Sakralgebäude: Neue Synagoge, Marien-, St.-Joseph-, Sankt-Michael-, St.-Pauls-, Zions-, Stephanus-, St.-Petrus-, Erlöser-, Sophien-, St.-Matthäus-, Nikolai- und Johanniskirche, Ibn-Rushd-Goethe-Moschee, Alte und Neue Nazarethkirche
  • Staatsoper Unter den Linden

Das Brandenburger Tor wurde 1789 bis 1793 erbaut, es gehört in die Epoche des Frühklassizismus. Der Boulevard Unter den Linden endet vor dem Tor. Den Bau beauftragte der Preußenkönig Friedrich Wilhelm II., verantwortlicher Architekt war Carl Gotthard Langhans. Die Quadriga stammt vom Bildhauer Johann Gottfried Schadow. Berlin hatte bis ins 19. Jahrhundert noch 18 Stadttore, nur das Brandenburger Tor blieb erhalten. Seine Formensprache zeigt eine Hinwendung von der vormals dominierenden römischen zur griechischen Architektur. An beiden Vorbildern hatte sich der Klassizismus orientiert. Für diese Bauepoche ist das Brandenburger Tor der erste wichtige Vertreter in Preußen, der zugleich diesen Stil als staatstragende preußische Architektur einläutete. Im Laufe seiner Geschichte erhielt das Tor verschiedene Bedeutungen: Bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs stand es für das Ende der Herrschaft Napoleons 1813 – 1815. Die Weimarer Republik beging am Tor alljährlich ihren Verfassungstag am 11. August. Ab 1961 war es ein Symbol schlechthin für die Teilung Berlins und Deutschlands. Es stand praktisch genau auf der Grenze zwischen Ost- und Westberlin (gehörte aber zu Ostberlin). Seit 1990 ist es daher das Symbol der deutschen und europäischen Einheit. Der Berliner Fernsehturm, mit 368 Metern höchstes deutsches Bauwerk, war ein Prestigobjekt der DDR. Als er 1969 vollendet wurde, war er der weltweit zweithöchste Fernsehturm. In den 2020er-Jahren rangiert er unter den Top 10 aller Sehenswürdigkeiten in Deutschland, die jährliche Besucherzahl liegt bei rund einer Million. In der kugelförmigen Kuppel auf etwas über 200 Metern befinden sich eine Aussichtsplattform und ein sich langsam drehendes Restaurant. Vom Funkmast an der Spitze aus strahlen Fernseh- und Rundfunksender ihre Programme aus. Für die DDR wurde er zu einem nationalen Symbol, für das wiedervereinte Deutschland ist er ein gesamtstädtisches Symbol für das wiedervereinte Berlin. Im Jahr 1979 verliehen die DDR-Behörden dem Fernsehturm den Denkmalstatus. Dieser wurde durch die Behörden der Bundesrepublik nach der Wiedervereinigung fortgeschrieben. Der Berliner Dom wurde 1894 bis 1905 errichtet, ausführender Architekt war Julius Raschdorff. Stilistisch ist er der Neorenaissance und dem Neobarock zuzuordnen. Er ist heute hinsichtlich seiner Grundfläche die größte evangelische Kirche in Deutschland. Zudem ist er eine bedeutende dynastische Grabstätte für die Hohenzollern. Deren Gruft nimmt fast das komplette Untergeschoss ein. Heute dient er auch Staatsakten, Konzerten und weiteren Veranstaltungen. Die DDR ließ an seiner Nordseite 1975 die Denkmalskirche abreißen. Seither besteht der Dom aus der mittleren großen Predigtkirche und zwei kleineren Kirchen an der Südseite (Tauf- und Traukirche). Im Zweiten Weltkrieg hatte der Dom schwere Schäden erlitten. Weder die DDR-Führung noch die evangelische Glaubensgemeinschaft in Ostberlin bzw. der DDR sahen sich imstande, einen originalgetreuen Wiederaufbau zu finanzieren. Nach dem Teilabriss 1975 ließ man das Äußere des Doms bis 1984 in vereinfachter Form rekonstruieren. Das Dominnere wurde originalgetreu bis 2002 wiederhergestellt. Mit Stand 2021 ist geplant, bis 2023 die Hohenzollerngruft umfassend zu sanieren. Möglicherweise erfolgt danach eine Rekonstruktion der Denkmalskirche.

Kultur in Berlin Mitte

Im Bezirk Mitte sind viele der wichtigsten Kulturinstitutionen Berlins mit internationalem Ruf angesiedelt. Auf der Museumsinsel sind die wichtigsten Museen:

  • Humboldt-Forum
  • Pergamonmuseum
  • Alte Nationalgalerie
  • Neues Museum
  • Altes Museum
  • Hanf-Museum
  • Bode-Museum

Die Dichte an hervorragenden Orchestern mit Weltruf in Berlin Mitte ist weltweit einzigartig. Es gehören die Berliner Philharmonie, die Staatsoper Unter den Linden und die Komische Oper dazu. Außerdem sind in Mitte das Maxim-Gorki-Theater, der Admiralspalast, das ATZE Musiktheater, das Berliner Ensemble, die Kulturfabrik Moabit, das Chamäleon, das Deutsche Theater, der Friedrichstadt-Palast, das Grips-Theater, das Prime Time Theater, das Schauspielhaus und die Volksbühne angesiedelt. Auch bedeutende Kinos finden sich in Berlin Mitte, so das Kino International, das Central, der Filmrauschpalast, das ACUD, das Filmtheater Hackesche Höfe, das Cineplex Alhambra und das Kino Babylon.

Sport

Es gibt im Stadtbezirk vier Schwimmhallen, das Poststadion, das Stadion Rehberge, das Erika-Heß-Eisstadion und viele öffentliche Grünflächen für Sport- und Freizeitaktivitäten, so den Großen Tiergarten, den Zoologischen Garten, den Fritz-Schloß-Park sowie die Volksparks Rehberge und Humboldthain.

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