Berlin-Pankow

Berlin-Pankow

Der Berliner Bezirk Pankow (ehemals Ostberlin) hat seinen Namen von der Panke, einem Nebenfluss der Spree. Abseits der offiziellen Stadtbezirksgrenzen werden auch Teile von Heinersdorf und Niederschönhausen mit Pankow in Verbindung gebracht, indem die Bewohner die betreffenden Stadtviertel Pankow-Heinersdorf und Pankow-Schönhausen nennen. Das kann mit der langen Besiedlungsgeschichte dieses Berliner Bezirks zusammenhängen, die sich bis ins 13. Jahrhundert zurückverfolgen lässt.

  • Einwohner: 65.375 am 31. Dezember 2020
  • Fläche: 5,66 km²
  • Bevölkerungsdichte: 11.550 Einwohner/km²

Bauwerke und Sehenswürdigkeiten in Pankow

Im Stadtbezirk mischen sich unterschiedlichste Baustile und Epochen. Zu den erwähnenswerten Bauwerken in Pankow zählen:

  • Rathaus
  • Kirche „Zu den vier Evangelisten“ (15. Jahrhundert)
  • Hoffnungskirche (frühes 20. Jahrhundert, Jugendstil)
  • barockes Kavaliershaus (Baujahr 1770)
  • Alte Bäckerei (Wollankstraße, entstammt der ersten dörflichen Bebauung)
  • Mälzerei (Alte und Neue)
  • Amtsgericht (Kissingenstraße, frühes 20. Jahrhundert, fränkischer Barock)
  • Kissingenviertel (Wohnensemble der 1920er- bis 1930er-Jahre, Wohnblocks mit einmaligen „Zeppelindächern“)
  • ehemaliges jüdisches Waisenhaus und ehemaliges Jüdisches Lehrlingsheim
  • Villa Garbáty

Die Kirche „Zu den vier Evangelisten“ ist die evangelische Dorfkirche des Stadtbezirks. Nachdem das Angerdorf Pankow um 1230 gegründet war, errichteten die Bewohner auf seinem Anger einen wahrscheinlich hölzernen Vorgängerbau, der im Landbuch von Karl IV. schon 1375 erwähnt wurde. Im 15. Jahrhundert folgte dann der Feldsteinbau, dessen Basis heute noch erkennbar ist. Zwischen 1541 und 1896 war diese Kirche die Mutterkirche des Ortes Niederschönhausen. Mitte des 19. Jahrhunderts folgte eine Erweiterung, weshalb der heutige Kirchenbau aus der ursprünglichen rechteckigen Feldsteinkirche und der dreischiffigen Backsteinerweiterung besteht. Die Fenster wurden im 19. Jahrhundert im neugotischen Stil erweitert, jedoch findet sich auf der Ostseite noch ein ursprünglicher Ziergiebel mit Spitzbögen und Fialen. Es folgten weitere Umbauten, die bis zur Gegenwart andauern. Zuletzt erhielt die Kirche im Jahr 2021 eine neue Orgel (Orgelwerkstatt Wegscheider). In der Pankower Dorfkirche trafen sich ab den frühen 1980er-Jahren oppositionelle Gruppen, die von der Staatssicherheit beobachtet wurden. Die Mälzerei Pankow entstand ab 1874 auf Initiative der Schultheiss-Brauerei als Siedlung und Produktionsort für Malz, das bis 1945 hier produziert wurde. Danach dienten einige ihrer Gebäude als Lager, wurden dann ab 1990 unter Denkmalschutz gestellt, ab 2008 saniert und ab 2011 in Eigentumswohnungen umgewandelt. Ihren Denkmalstatus hat die Mälzerei Pankow als frühes Industriebauwerk, das Zeugnis über die dezentrale industrielle Bierherstellung ablegt. Das ursprüngliche Ensemble bestand im Jahr 1874 aus einem Tennengebäude, einer Doppeldarre, einem Kesselhaus mit Kontor sowie einem Weichhaus für das Einweichen der Braugerste. Später wurde an- und neugebaut, weshalb es eine Neue und eine Alte Mälzerei gibt. Die Villa Garbáty wurden zwischen 1876 und 1881 durch den Architekten Paul Überholz für den Zigarettenfabrikanten Josef Garbáty erbaut und in den 1980er-Jahren zum Baudenkmal erklärt. Vor 1990 hatte hier der bulgarische Botschafter in der DDR seinen Wohnsitz, heute residiert in der Villa die Botschaft des Libanon. Es handelt sich um einen zweigeschossigen Putzbau in historisierendem Baustil mit ausgebautem Mansarddach. Die Familie Garbáty bewohnte die Villa bis 1939. Der Unternehmer Wolfgang Seifert, der den rechtsextremen Republikanern nahesteht, erwarb 1998 die Villa und vermietete sie zwischen 1999 und 2003 an die Partei.

Pankow als künstlerischer Bezugspunkt

Pankow war immer ein beliebtes Ausflugsziel, das in Schlagern der 1920er-Jahre besungen wurde(„Komm Karlineken, wir woll’n nach Pankow jehn …“, „Bolle reiste jüngst zu Pfingsten, nach Pankow war sein Ziel …“). Den Generationen ab etwa 1950 ist sehr gut der Song Sonderzug nach Pankow von Udo Lindenberg bekannt, den der Rocksänger 1983 veröffentlichte, nachdem es die DDR-Behörden abgelehnt hatten, ihm einen Auftritt in der DDR zu gewähren. Der Song basiert auf dem Chattanooga Choo Choo von Mack Gordon und Harry Warren, den Glenn Miller mit seinem Orchester in den 1940er-Jahren berühmt gemacht hatte. Lindenberg war im März 1979 vom Sender Freies Berlin interviewt worden und hatte dabei den Wunsch geäußert, auch einmal in Ostberlin für seine Fans spielen zu können. In der Tat war er in der DDR unglaublich populär. Die DDR-Ideologen zeichneten das Interview auf und spielten es dem SED-Politbüromitglied Kurt Hager, damals verantwortlich für Kultur, vor. Dieser lehnte einen Auftritt Lindenbergs in der DDR rundheraus ab, was den Künstler stark verärgerte. Daraus wurde die Idee für den „Sonderzug nach Pankow“ geboren. Pankow wählte Lindenberg als Bezug, weil im dortigen Schloss Schönhausen bis 1960 der DDR-Ministerpräsident, bis 1964 der Staatsrat ihren Sitz gehabt hatten. Auch hatte sich in den 1960er-Jahren eine Wohnsiedlung für DDR-Regierungsmitglieder in Pankow befunden, bis diese schließlich in das stark gesicherte Wandlitz umzogen. Im frühen Kalten Krieg der 1950er- bis 1960er-Jahre war Pankow ein volkstümliches Synonym für den „Regierungssitz in der sowjetischen Besatzungszone“, worauf sich Lindenberg (Jahrgang 1946) bezog. Der Song ist voller Anspielungen inklusive einer russischen Bahnhofsdurchsage, die belegen soll, dass die sowjetischen Freunde wahrscheinlich nichts gegen ein Gastspiel des Rockers in der DDR hätten. Den deutschen Text hatte dieser übrigens wortwörtlich so gemeint, wie es die Worte besagen. Dies hatte der Künstler sogar in einem persönlichen Begleitbrief zum Song an Erich Honecker unterstrichen (per Du und im besten Rocker-Jargon). Nachdem Lindenberg den Titel veröffentlicht hatte, der in den westdeutschen Charts umgehend Top-Positionen erreichte, war Honecker über den despektierlichen Songtext zwar verärgert, beauftragte aber dennoch seinen FDJ-Chef Egon Krenz mit einer Kontaktaufnahme. Dieser lud Lindenberg daraufhin zu einem FDJ-Friedenskonzert im Ostberliner Palast der Republik ein. So konnte der Rocker noch im Oktober 1983 tatsächlich in der DDR spielen. Den „Sonderzug nach Pankow“ durfte er allerdings nicht vortragen. Dennoch hielt er den Kontakt zu Honecker: 1987 schickte er ihm die im Song besungene Lederjacke zu und erhielt vom DDR-Staats- und Parteichef tatsächlich ein Dankesschreiben. Honecker merkte darin an, dass Rockmusik wohl zu den sozialistischen Idealen passe, schenkte Lindenberg im Gegenzug eine Schalmei und erhielt von Lindenberg bei einer kurz darauf erfolgten Reise in die Bundesrepublik eine E-Gitarre. Sie trug den Schriftzug „Gitarren statt Knarren“.

Sport in Pankow

In Pankow ist der Breitensport bestens aufgestellt. Erwähnenswerte Sportvereine sind:

  • FC Concordia Wilhelmsruh 1895 e.V.
  • Sportfreunde Berlin 06 e.V.
  • Karate Club Nord e.V.
  • Berlin-Brandenburger Sportverein e.V.
  • Kinder und Jugendreitverein Lindenhof e.V.
  • Kissingensportverein KSV 90 e.V.
  • SV Buchholz e.V.

Pankow: Geschichte

Die Gegend, in der heute Pankow liegt, wurde erst im frühen 13. Jahrhundert (wahrscheinlich um 1230) besiedelt. Die Siedler waren deutschstämmig, während die meisten Brandenburger Regionen damals von Slawen besiedelt waren. Allerdings übernahmen sie von der Panke den slawischen Gewässernamen für ihren Ort. Erstmals wurde dieser 1311 urkundlich erwähnt. Im späten 14. Jahrhundert gab es schon eine Kirche (siehe oben) und auch einen Dorfkrug. Einen städtischen Charakter erhielt Pankow erst im 19. Jahrhundert mit der Industrialisierung. Die Breite Straße in Pankow zeichnet bis heute den ursprünglichen Dorfcharakter nach: Zu ihren Seiten lag über Jahrhunderte der Dorfanger, zentral steht immer noch die Kirche „Zu den vier Evangelisten“. Vom Kavalierschloss (heute: Damerowstraße) starteten noch im 19. Jahrhundert Jagdgesellschaften ins Umland. Das Schloss Schönhausen war ein Umbau: Kurfürst Friedrich III. kaufte 1691 ein Pankower Herrenhaus machte daraus das Schloss, wodurch Pankow teilweise zur Residenz der Hohenzollern wurde. Im späten 19. Jahrhundert nutzten innerstädtische Berliner Pankow als Sommerfrische, was die Pankower zu einem Ausbau ihrer Infrastruktur veranlasste. Das heute bestehende Straßensystem entstand um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert. Mit dem Groß-Berlin-Gesetz von 1920 gelangte Pankow als 19. Verwaltungsbezirk zu Berlin. Im April 1945 wurde es von der Roten Armee eingenommen und fiel nach Kriegsende zu Ostberlin. Ab 1952 erhielt es den Status eines „Stadtbezirks“ von Ostberlin, der lange Zeit Hauptsitz der DDR-Führung war.

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