Reinickendorf

Berlin-Reinickendorf

Der 12. Berliner Verwaltungsbezirk Reinickendorf entstand 1920 mit dem Groß-Berlin-Gesetz durch Eingemeindungen. Der Tegeler See liegt als Nebengewässer der Havel im Bezirk. Wirtschaftlich bedeutsam ist unter anderem der Süßwarenhersteller August Storck KG, der hier seinen Firmensitz hat. Bekannte Bauwerke sind das Schloss Tegel, die Weiße Stadt und der Borsigturm (Backsteinexpressionismus).

  • Einwohner: 266.123 am 31. Dezember 2020
  • Fläche: 89,48 km²
  • Bevölkerungsdichte: 2.974 Einwohner/km²

Architektur in Reinickendorf

Die wichtigsten Bauwerke des Stadtbezirks sind:

  • Schloss Tegel
  • Weiße Stadt („Berliner Moderne“, UNESCO-Weltkulturerbe)
  • Segenskirche
  • Buddhistisches Haus in Frohnau
  • Kleine Lettekolonie
  • Bauernhof Großkopf
  • Museum Reinickendorf
  • Konserven- und Dörrgemüsefabrik Adria

Die Großsiedlung Weiße Stadt mit 1.268 Wohnungen gehört zur Berliner oder auch Klassischen Moderne. Die Bauten stammen aus der Zeit der Weimarer Republik, damals ließ sie die Heimstättengesellschaft Primus mbH errichten. Ausführende Architekten waren Bruno Ahrends, Otto Rudolf Salvisberg und Wilhelm Büning. Von Salvisberg stammte der städtebauliche Entwurf, von Ludwig Lesser die Landschaftsplanung. Es sollten Wohnungen für einkommensschwache Familien werden. Um die Baukosten so niedrig wie möglich zu halten und gleichzeitig Wirtschaftsförderung zu betreiben, beauftragte die Primus mbH kleine Berliner Handwerksbetriebe mit den Arbeiten. Der Quadratmeterpreis der ersten 1.600 Wohnungen betrug damals 14 Reichsmark. Eine Innovation war die Zentralheizung für einen großen Gebäudekomplex. An dem Konzept wurde bis zur Gegenwart festgehalten: Seit 2012 liefert ein benachbartes Blockheizkraftwerk die Heizwärme. Auch ein Kindergarten und Einkaufsmöglichkeiten in 20 Ladengeschäften wurden von Anfang an integriert. Die Binnenstruktur der Weißen Stadt ist offen und besteht aus Zeilen- und Randbauten mit ineinander verlaufenden Grünräumen. Ihren Namen hat die Siedlung vom Weiß der Häuser, das durch farbige Akzente durchbrochen wird, darunter farbige Dachüberstände, Regenrohre, Türen und Fensterrahmen. Ein architektonisches Aushängeschild ist das Brückenhaus. Das Schloss Tegel (Humboldt-Schloss) ist das wichtigste Baudenkmal von Reinickendorf, es steht mitsamt seinem Wirtschaftsgebäude, der Mauer, dem Gärtnerhaus, der Familiengrabstätte mit der Statue der Hoffnung sowie der Grabstätte Kunth heute unter Denkmalschutz. Der Schlosspark reicht bis knapp an den Tegeler See. Seinen Namen als Humboldtschloss hat Schloss Tegel, weil Alexander und Wilhelm von Humboldt auf Gut Tegel ihre Kindheit verbrachten. Damals gab es das heutige Schloss noch nicht, Wilhelm von Humboldt ließ es erst 1820 bis 1824 errichten und beauftragte damit Karl Friedrich Schinkel. Bis heute gehört das Schloss Humboldt-Nachfahren, die hier wohnen (Familie von Heinz). Sie betreiben im Schloss ein privates Humboldt-Museum, das im Sommerhalbjahr montags zugänglich ist. Das Vorgängerschloss, in welchem die Gebrüder Humboldt ihre Kindheit verbracht hatten, war 1558 als ein Renaissance-Herrenhaus erbaut worden. Kurfürst Friedrich Wilhelm von Brandenburg veranlasste dann den Umbau zu einem Jagdschlösschen. Im frühen 18. Jahrhundert stellte man an der Zufahrt ein obeliskenförmigen Meilenstein auf. Er ist vom zentralen Berliner Poststein (Dönhoffplatz, Berlin-Mitte) zwei preußische Meilen entfernt (preußische Meile = 7,532 km). Der Meilenstein befindet sich heute nach einer Restauration im Jahr 1992 an der Adelheidallee südöstlich vom Schloss. Die Familie von Humboldt erwarb das Vorgängerschlösschen 1766 zusammen mit dem Gut Tegel. Nachdem die Mutter Marie-Elisabeth gestorben war, wurde Wilhelm von Humboldt ab 1797 Besitzer des Anwesens und ließ ab 1820 das Schlösschen durch Schinkel klassizistisch umgestalten, wobei vom Vorgängerbau nicht viel übrigblieb. Er wohnte hier in den letzten Lebensjahren. Seine Tochter Gabriele, Gattin des preußischen Außenministers Heinrich von Bülow, erbte das Anwesen und vererbte es an ihre Tochter Constanze, die mit Geheimrat Reinhold von Heinz (1861 – 1939) verheiratet war. Die Nachfahren dieser Familie sind heute die Inhaber. Den Schlosspark hatte schon ab 1777 bis 1789 Gottlob Johann Christian Kunth angelegt. Er war Verwalter des Schlösschens und Hauslehrer der Familie von Humboldt. Ab 1802 veranlasste Wilhelm von Humboldt eine Neugestaltung des Parks. Dessen Architektur wurde oft Peter Joseph Lenné zugeschrieben, was aber nach heutigem Erkenntnisstand (2021) nicht stimmt. Karl Friedrich Schinkel wirkte allerdings im Zuge seines Neubaus des Schlosses auch an der Neugestaltung des Schlossparkes mit. Seit 1983 ist der Schlosspark ein Denkmal. An seiner Westseite unweit vom Tegeler See steht die „Dicke Marie“, eine vermutlich im frühen 13. Jahrhundert gepflanzte Eiche. Ihren Namen gaben ihr Gebrüder Humboldt in Anspielung auf ihre etwas korpulente Köchin. Die Humboldteiche steht hingegen nahe beim Schloss, sie wurde wahrscheinlich im 14. Jahrhundert gepflanzt und ist sehr monumental. Ihr Brusthöhenumfang beträgt ~7,85 m (Stand: 2021). Schon seit 1939 ist sie ein Naturdenkmal. Im Schlosspark gestaltete Schinkel 1829 die Familiengrabstätte, in der erstmals Wilhelms Gattin Caroline von Humboldt bestattet wurde. Wilhelm ließ für sie ein Marmordenkmal auf einer Granitsäule errichten, das die römische Göttin Spes zeigt (Bildhauer: Bertel Thorwaldsen). Schinkel schuf eine einfach halbrunde Steinbank (die „Exedra“), welche von hinten die „Hoffnungssäule“ einrahmt. Die Gebrüder Humboldt und alle Nachfahren von Wilhelm und Caroline (bis heute) fanden ebenfalls hier ihre letzte Ruhestätte. An sie gedenken einheitlich gestaltete Grabsteine ohne jede Verzierung auf flachen, schlichten Grabhügeln, die in einer Reihe angeordnet sind.

Kultur

Um das kulturelle Leben in Reinickendorf kümmern sich mehrere gemeinnützige Vereine, so Natur & Kultur LabSaal Lübars, das Kulturzentrum in Alt-Lübars und der Förderkreis für Kultur, Bildung und internationale Beziehungen. Die Kinder- und Jugendkultur des Stadtbezirks wird sehr gut durch den Förderkreis kulturkind unterstützt.

Reinickendorf: Feste und Feiern

  • Schlagerolymp in Lübars
  • Osterfeuer in Frohnau
  • Tegeler Hafenfest (Greenwichpromenade)

Sport

Es gibt in Reinickendorf rund 200 Sportvereine, zu denen auch einige aus dem Spitzensport gehören. Die Füchse Berlin Reinickendorf waren der Vorgänger des Profiklubs Füchse Berlin, der in der Handballbundesliga spielt. Die Baseballer der Berlin Flamingos spielen ebenfalls in ihrer Bundesliga. Der Ruder-Club Tegel 1886 brachte ebenso wie der Leichtathletikklub LG Nord Berlin mehrere Europa- und Weltmeister hervor. Im Reinickendorfer Breitensport sind viele Reit- und Wassersportvereine zu finden. Vor allem im Ortsteil Lübars gibt es sehr viele Reiterhöfe. Aus dem Reiten als Freizeitaktivität geht immer wieder auch Spring- und Dressurreiten hervor, alle diese Disziplinen haben in Reinickendorf eine lange Tradition. Daher finden in Lübars auch Turnierveranstaltungen statt. Durch das viele Wasser in Reinickendorf lieben Angler den Stadtbezirk, in dem es außerdem viele Fitnessstudios gibt.

Wirtschaft in Reinickendorf

Im Stadtbezirk ist das verarbeitende Gewerbe stark vertreten. Die größten Arbeitgeber sind mit Stand 2021:

  • Süßwarenhersteller August Storck (Firmensitz)
  • Vivantes Gesundheit GmbH (kommunaler Klinikkonzern)
  • RENAFAN GmbH (Pflegedienstleistungen)
  • Staatliche Münze Berlin
  • Freiberger Lebensmittel GmbH & Co. KG, Tochter von Südzucker AG
  • Borsig (Tochter der KNM Group, Maschinen- und Anlagenbau)
  • G-Elit Präzisionswerkzeug GmbH, Tochter der Gühring-Gruppe
  • Meisterbäckerei Steinecke
  • Piepenbrock Service GmbH + Co. KG
  • OTIS GmbH & Co. OHG

Etwas mehr als 7,3 % aller Berliner Handwerksbetriebe sind in Reinickendorf gemeldet. Der Stadtbezirk ist verkehrstechnisch gut erschlossen. Die Bundesautobahn 111 führt durch Reinickendorf, sie ist hier an Bundesautobahnen 10 und 100 angeschlossen. Die durch den Bezirk führende Bundesstraße ist die B96. In den Bezirk führen die U-Bahn-Linien 6 und 8 sowie die S-Bahn-Linien 1, 25 und 26. Der Bezirk ist damit in der Fläche komplett mit dem leistungsfähigen Berliner Stadtschnellbahnverkehr erschlossen. Allerdings gibt es im Märkischen Viertel weder eine S- noch eine U-Bahn-Station, obgleich es sich um eine verdichtete Großwohnsiedlung mit höchstem ÖPNV-Nachfragepotenzial handelt. Hierhin fahren nur Busse, die auch sonst den gesamten Stadtbezirk Reinickendorf durchqueren. Bedeutende Bus-Bahn-Verknüpfungspunkte sind:

  • S- und U-Bahnhof Wittenau
  • U-Bahnhof Alt-Tegel

Beide bieten auch nachts gesicherte Anschlüsse zwischen den Linien. Der Flugbetrieb auf dem Flughafen Tegel wurde im November 2020 eingestellt, nachdem der BER in Betrieb ging. Nach einer Bereitschaftsphase bis Mai 2021 wird er endgültig stillgelegt. Anschließend werden auf dem Flughafengelände Wohnsiedlungen sowie Forschungs- und Bildungseinrichtungen entstehen. Der Name dieses Projekts lautet „Urban Tech Republic“.

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