Berlin Spandau

Berlin-Spandau

Der fünfte Berliner Verwaltungsbezirk Spandau erstreckt sich in großen Teile entlang der Havel und hat viele Wald- und Wasserflächen. Er entstand mit dem Groß-Berlin-Gesetz von 1920, das die schon 1232 urkundlich erwähnte Stadt Spandau mitsamt einiger umliegender Gemeinden und Gutsbezirke nach Berlin eingemeindete. Das moderne Spandau ist wirtschaftlich bedeutsam. Unter anderem lassen hier Siemens und BMW (Motorräder) produzieren. Das wichtigste Bauwerke ist zweifellos die Zitadelle Spandau mit ihrer großen Geschichte. Sie wurde im 16. Jahrhundert erbaut, war lange Zeit eine Festung und ein Staatsgefängnis und dient heute als Veranstaltungsort.

  • Einwohner: 245.527 am 31. Dezember 2020
  • Fläche: 91,878 km²
  • Bevölkerungsdichte: 2.672 Einwohner/km²

Bauwerke in Spandau

Die Zitadelle Spandau ist eine nähere Würdigung wert. Es handelt sich um eine der besterhaltenen europäischen Festungen der Hochrenaissance. Ihr Kern ist eine Burg aus dem Mittelalter, welche die Slawen wahrscheinlich im 11. Jahrhundert angelegt hatten. Von dieser sind noch Palas (gotischer Saalbau) und Bergfried erhalten. Ab 1559 bis 1594 ließen die brandenburgischen Kurfürsten durch die beiden Architekten Francesco Chiaramella de Gandino und Rochus zu Lynar um diese Burg ein Festungsbauwerk bauen. Es diente der Verteidigung und war auch immer wieder ein Staatsgefängnis. Einige der berühmtesten Gefangene waren:

  • 1571: Anna Sydow, ehemalige Geliebte des Kurfürsten
  • 1668: Premierminister Eberhard Danckelmann
  • 1707: Artilleriekommandeur Sigismund von Schlund
  • 1733: Generalmajor Christoph von Natzmer
  • 1809: Generalmajor Bonaventura von Rauch
  • 1811: Generalleutnant Heinrich von Thile
  • 1821: Turnvater Friedrich Ludwig Jahn
  • 1844: Attentäter Heinrich Ludwig Tschech, Hinrichtung durch Enthauptung im Hof der Zitadelle

Entgegen anderslautenden Mythen waren weder Albert Speer noch Rudolf Heß in der Zitadelle Spandau inhaftiert, sondern im benachbarten Kriegsverbrechergefängnis Spandau. Die wichtigere Funktion der Festung war die Verteidigung Spandaus, die im Verlaufe von Jahrhunderten auch immer wieder gelang. Allerdings kapitulierte 1806 der Festungskommandeur kampflos vor den napoleonischen Truppen. Napoleon besichtigte die Zitadelle und ließ sie fortan von den eigenen Truppen nutzen, die sie wiederum während der Befreiungskriege im Jahr 1813 kampflos an die preußischen Truppen unter General August von Thümen übergaben. Der General hatte dem Gegner dafür freien Abzug zugesichert. Die Zitadelle hatte im Krieg Beschädigungen erlitten und wurde ab 1821 restauriert. Die Verblendung des Außenmauerwerks in der heute erkennbaren Form erfolgte aber erst 1885. Zwischen 1874 und 1919 bewahrte man den deutschen Reichskriegsschatz in Teilen auf der Spandauer Zitadelle auf, wofür eine drei Tonnen schwere Tresortür eingebaut wurde. Im Jahr 1935 richtete das deutsche Heer auf der Festung ein Gasschutzlaboratorium für Forschungen mit dem Nervengas Tabun ein. Auch im Zweiten Weltkrieg diente die Zitadelle wieder als Festung für deutsche Truppen. Nach der Kapitulation übergab sie der Kommandant Oberst Prof. Dr. Gerhard Jung an sowjetische Truppen. Einen vorherigen sinnlosen Kampf vermied er, woran in der Eingangshalle eine Gedenktafel erinnert. Spandau fiel anschließend an die Briten, die bis 1948 als Hausherr der Zitadelle fungierten. Die nachfolgende deutsche Verwaltung richtete in ihr 1960 ein Heimatmuseum ein und ließ sie zwischen 1962 und 1976 umfangreich restaurieren. Während dieser Arbeiten fand eine Kampfmittelberäumung statt. 1992 wurde im ehemaligen Zeughaus ein stadtgeschichtliches Museum für Spandau eingerichtet, das überaus interessante Ausstellungen zeigt. Heute dient die Festung Spandau auch als Veranstaltungsort für Festivals, Konzerte (Mittelalterfest, Citadel Music Festival) sowie einen historischen Weihnachtsmarkt. Auch Trauungen werden im Fürstenzimmer durchgeführt. In Spandau sind neben der Zitadelle interessant:

  • Fort Hahneberg
  • Altstadt
  • Siedlung Neu-Jerusalem
  • Gartenstadt Staaken
  • Gesamtensemble Kolonistensiedlung
  • Bruno-H.-Bürgel-Sternwarte
  • Sakralgebäude: St.-Nikolai-, Christophorus-, St.-Marien-, Luther-, Melanchthon-, St.-Franziskus-von-Assisi-, St.-Joseph- und Gnadenkirche, Dorfkirchen Gatow, Kladow und Staaken, Kirche im Johannesstift

Einige Kirchen stammen schon aus dem 13. Jahrhundert. Zudem gibt es in Spandau fünf sunnitische Moscheen und zwei buddhistische Tempel.

Spandauer Kultur

Mehrere öffentliche und private Initiativen beleben die Kultur in Spandau. Dazu gehören unter anderem das Kulturhaus Spandau, der Arbeitskreis Spandauer Künstler, das Theater und die Freilichtbühne Zitadelle, die Bastion Jugendkunstschule und die Kunstlandschaft Spandau, die für Ausstellungen sowie die Pflege bestehender Skulpturen und Denkmäler im öffentlichen Raum sorgt. Sehenswert ist das militärhistorisches Museum auf dem Flugplatz Gatow, das als Außenstelle zum Dresdner militärhistorischen Museum der Bundeswehr gehört. Hier ist ein großer Teil der luftfahrtgeschichtlichen Sammlung ab 1884 zu besichtigen. Dazu gehören Großexponate wie Flächenflugzeuge, Hubschrauber, Flugabwehrsysteme und Bodendienstgeräte sowie Uniformen, Dokumente und Ausrüstungsgegenstände. Hinzu kommen Medienstationen mit einer umfangreichen Filmsammlung. Auch Luftkriegsoperationen während der beiden Weltkriege werden ausführlich beschrieben. Die aktuelle Ausstellung versucht hierzu eine kulturgeschichtliche Annäherung wie beispielsweise die Anonymisierung zwischen Tätern und Opfern im Luftkrieg, die Grenzüberwindung und die Entgrenzung des Krieges durch Luftkämpfe. Begründet wurde die Sammlung schon auf privater Basis durch RAR a. D. Helmut Jaeckel im Jahr 1957, der zunächst in Pinneberg ausstellte. Mit dem Anwachsen der Sammlung engagierte sich die Bundeswehr und stellt ihm immer mehr Fläche und Räume zur Verfügung. Die ersten Großexponate folgten 1967, schließlich übernahm die Bundeswehr 1987 die Sammlung komplett. Diese zog mehrmals um und fand 1994 ihren Standort in Gatow, als dort der Betrieb eingestellt wurde. 2010 legte man das Museum mit dem Dresdner Museum der Bundeswehr zusammen. Spandau verfügt darüber hinaus über ein stadtgeschichtliches Museum im Gotischen Haus. Wichtige regelmäßige Veranstaltungen sind das Burgfest mit Ritterspielen auf der Zitadelle und der Weihnachtsmarkt. Die drei wichtigsten Spandauer Kinos sind das Cineplex in der Havelstraße, das Kino im Kulturhaus und das Openair-Kino in den Sommermonaten. Der Stadtbezirk wird in den Künsten gern aufgegriffen, so beispielsweise als Name der britischen Band Spandau Ballet. Die Musiker hatten sich nach einer Berlinreise vor 1989 dafür entschieden, als sie den Flugplatz Gatow besuchten, der damals direkt an die Berliner Mauer grenzte. Die Band fand den Bezug zur schwer bewachten Grenze romantisch und düster. In Spandau hat die 1946 gegründete, sehr renommierte Filmproduktion CCC Film ihren Sitz, von der über 200 Kinofilme stammen.

Sport in Spandau

Die Wasserfreunde Spandau 04 gehören zu den erfolgreichsten deutschen Vereinen. Sie können über 100 Deutsche Meisterschaften, eine Weltmeisterschaft und zehn Europameisterschaften sowie weitere Titel in den Disziplinen Springen, Schwimmen und Wasserball vorweisen. Ein langjähriger Kapitän der Wasserballer war Hagen Stamm, der mit seiner Mannschaft zwischen 1979 und 1992 14 Mal in Folge die deutsche Meisterschaft gewann sowie 12 Mal deutscher Pokalsieger und viermal Europapokalsieger der Landesmeister wurde. Seit 2020 leitet er den Verein als Präsident. Die Wasserballer richten ihre Heimspiele im Sportzentrum Schöneberg aus. Die Handballer der SG ASC/VfV Spandau spielen in der 2. Bundesliga. Bei der großen, national bedeutsamen Tanzsportveranstaltung „Blaues Band der Spree“ im Centrum Siemensstadt treten Paare aus der gesamten Bundesrepublik an. Die beiden größten Spandauer Sportvereine mit je über 5.000 Mitgliedern sind der TSV Spandau und der SC Siemensstadt.

Spandauer Wirtschaft

Wichtige Unternehmen in Spandau sind:

  • Kraftwerk Reuter
  • Klärwerk und Biogasanlage Ruhleben
  • Siemens
  • BMW (Motorräder)
  • Boschen & Oetting Automatisierungsbau
  • Dr. Mann Pharma
  • Coffea Kaffee GmbH
  • Contag
  • WILD Flavors Berlin

Die großen Wald- und Wasserflächen Spandaus werden touristisch intensiv genutzt, sie sind beliebte Ausflugsziele. Eine bedeutende wirtschaftliche Stellung hat das verarbeitende Gewerbe. Das Spandauer Gesundheits- und Sozialunternehmen Johannesstift Diakonie ist der größte konfessionsgebundene Klinikbetreiber in Berlin. Das Unternehmen beschäftigt in Deutschland (hauptsächlich im Nordosten) insgesamt knapp 9.000 Mitarbeitende. Wohnen ist in Spandau etwas günstiger als im Berliner Gesamtdurchschnitt. Die Mieten liegen etwa 15 – 20 % unter dem Berliner Median. Das monatliche Nettodurchschnittseinkommen lag in Spandau 2020 bei ~1.580 Euro, was leicht über dem Berliner Gesamtdurchschnitt liegt. Infrastrukturell ist der Stadtbezirk durch Straßen und den ÖPNV gut erschlossen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.