Steglitz-Zehlendorf

Berlin-Steglitz-Zehlendorf

Der sechste Berliner Verwaltungsbezirk Steglitz-Zehlendorf liegt im Südwesten der Hauptstadt und entstand durch die Berliner Verwaltungsreform 2001, bei der verschiedene vormals eigenständige Stadtbezirke zusammengelegt worden waren – in diesem Fall Zehlendorf und Steglitz. Beide lagen vor 1990 im Westteil der Stadt und gelten bis heute als wohlhabend mit günstigen Sozialstrukturen. Im Altbezirk Zehlendorf, zu welchem die Ortsteile Dahlem, Wannsee, Nikolassee und Zehlendorf gehören, leben die meisten Berliner*innen mit einem Jahreseinkommen von mehr als 500.000 Euro. Im Dezember 2020 wurde in Steglitz-Zehlendorf ein neuer Ortsteil namens Schlachtensee geschaffen. Der gesamte Stadtbezirk wird durch eine Hochschul- und Forschungslandschaft mit internationalem Renommee gekennzeichnet, er zieht Wissenschaftler aus der ganzen Welt an. Wichtige kulturelle Zentren in Steglitz-Zehlendorf sind unter anderem der Botanische Garten, das Literarische Colloquium, der Titania-Palast und das Brücke-Museum.

  • Einwohner: 308.840 am 31. Dezember 2020
  • Fläche: 102,50 km²
  • Bevölkerungsdichte: 3.013 Einwohner/km²

Bauwerke in Steglitz-Zehlendorf

Im Stadtbezirk gibt es einige bemerkenswerte Bauwerke und Orte, so unter anderem Onkel Toms Hütte (eine Bauhaussiedlung), die Rosenkranz-Basilika, den Fliegeberg mit der Otto-Lilienthal-Gedenkstätte, die Villenkolonie Lichterfelde-West und die Siemensvilla Herrenhaus Correns. Villenviertel, aber auch ein Studentendorf mit dem Status eines Nationalen Kulturerbes prägen das Bild des Stadtbezirks:

  • Villenviertel mit Insellage Schwanenwerder (im Großen Wannsee)
  • Schlachtensee (Studentendorf, Nationales Kulturerbe)
  • Villenkolonie Alsen (Haus der Wannseekonferenz, Siemens-Villa)
  • Loggia Alexandra (Böttcherberg)
  • Kohlhasenbrück

Erwähnenswert sind zudem die Kirche St. Peter und Paul, Schloss Glienicke und die Pfaueninsel, die mitsamt ihrem Schloss zum UNESCO-Welterbe gehört. Das Schloss Glienicke hatte sich Prinz Carl von Preußen als Sommerschloss einrichten lassen, er nutzte es bis zu seinem Tod im Jahr 1883. Die heutige klassizistische Form des Schlosses wurde von Karl Friedrich Schinkel ab 1825 hergestellt. Ursprünglich war es ein vom Hofrat und Arzt Johann Jakob Mirow 1753 erbautes Gutshaus, das als italienische Villa konzipiert worden war. Ab dem späten 19. Jahrhundert drohte dem Schloss die Verwahrlosung. Im Zweiten Weltkrieg wurde es zum Lazarett umfunktioniert, danach richtete die Rote Armee darin kurzzeitig ein Offizierskasino ein. Ab den 1950er-Jahren nutzte ein Sporthotel das Schloss, ab 1976 eine Heimvolkshochschule. Seit den späten 1980er-Jahren ist es ein Museum. Unter anderem stellt es Schinkel-Möbel aus, weitere Kunstgegenstände stammen größtenteils aus dem Nachlass von Prinz Carl. Im April 2006 eröffnete im Westflügel das erste europäische Hofgärtnermuseum mit Fokus auf die preußischen Hofgärtner. Bemerkenswert am Schloss Glienicke ist der Anspruch an Ästhetik und Luxus durch die Umbauten von Schinkel. Er schmückte das Schloss nicht nur architektonisch, sondern auch gärtnerisch aus und wertete es damit zu einem herrschaftlichen Landsitz auf, der im damaligen Sprachduktus als „ferme ornée“ oder „ornamental farm“ bezeichnet wurde. Prinz Carl genoss seine Zeit hier sehr, nutzte die Anlage aber auch wirtschaftlich. Vor ihm war es im Besitz von Fürst Hardenberg gewesen, der schon seinerseits für die gartenkünstlerische Umgestaltung der Umgebung gesorgt hatte. Den Auftrag erhielt der damals noch junge und unbekannte Peter Joseph Lenné, der als schmückende Gartenanlage einen Pleasureground gestaltet hatte, der sich an die Gartenarchitekturtheorie von Fürst Hermann von Pückler-Muskau anlehnte (Garten als „ausgedehnte Wohnung“). Fürst Hardenberg verstarb 1822, danach erwarb Prinz Carl von Preußen das Schloss mit Garten für 50.000 Reichstaler, der sich damit einen „Traum von Italien“ erfüllte. Der jüngste Sohn des Preußenkönigs Friedrich Wilhelm III. wollte damit seine Eigenständigkeit unterstreichen, seine beiden älteren Brüder Wilhelm und Friedrich Wilhelm folgten ihm später mit ähnlichen Projekten nach. Auch Schinkel arbeitete bei der Umgestaltung des Schlosses übrigens wieder mit dem inzwischen renommierten Peter Joseph Lenné zusammen, der damit an seine frühere Arbeit anknüpfen konnte. Durch diese fruchtbare Kooperation gilt das Schloss Glienicke mitsamt seinem Garten heute als Gesamtkunstwerk. Allerdings entstand es nach Jahrzehnten den wirtschaftlichen Niedergangs und der Teilverwahrlosung erst in den 1980er-Jahren durch Renovierungs- und Sanierungsmaßnahmen in neuer Pracht. Seit 1995 verwaltet die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten das Anwesen, die sich umfassend darum kümmert.

Steglitz-Zehlendorf als Wissenschaftsstandort

In Steglitz-Zehlendorf sind sehr bedeutende wissenschaftliche Einrichtungen und Institutionen angesiedelt. Zu nennen wären:

  • Charité – Campus Benjamin Franklin der Universitätsmedizin Berlin
  • Freie Universität Berlin
  • Bundesarchiv, Außenstelle Berlin mit den Zentralarchiven des Deutschen Reiches und der DDR
  • Geheimes Preußisches Staatsarchiv
  • American Academy
  • mehrere wissenschaftliche Bundesanstsalten (Land- und Forstwirtschaft, Materialforschung und -prüfung, Museumsforschung)
  • Helmholtz-Zentrum Berlin
  • Max-Planck-Gesellschaft mit mehreren Instituten
  • Konrad-Zuse-Zentrum
  • Deutsches Archäologisches Institut
  • Zentrum Moderner Orient

Kultur in Steglitz-Zehlendorf

In der Liebermann-Villa, einem dem Maler gewidmeten Museum, gibt es Kunstgalerien und einen Literaturtreff. Weitere Museen sind:

  • Energie-Museum Berlin
  • Museumsdorf Düppel
  • Alliiertenmuseum (Geschichte der Luftbrücke)
  • Haus am Waldsee (zeitgenössische Kunst)
  • Botanisches Museum mit Garten
  • Brücke-Museum
  • Domäne Dahlem (Agrargeschichte)
  • Jagdschloss Grunewald
  • Museum Europäischer Kulturen

Ein Schwergewicht in Steglitz-Zehlendorf ist das Literarische Colloquium Berlin. Es wurde 1963 gegründet, um als internationaler Begegnungspunkt für Literaten deren Isolation in Westberlin nach dem Bau der Mauer zu überwinden. Der Initiator war Walter Höllerer, der zur Gruppe 47 gehörte. Heute unterstützt die Robert Bosch Stiftung das Literarische Colloquium. Dieses fokussiert im neuen Jahrtausend auf Begegnungen zwischen verschiedenen Kulturen („Grenzgänger-Programm“) und will zwischen diesen das gegenseitige Verständnis und den Dialog fördern. Dabei sollen die beteiligten Literaten gern einen großen historischen Bogen spannen. Ganz praktisch erleichtert das Literarische Colloquium Berlin unter anderem mittel- und osteuropäischen Autoren den Zugang nach Westeuropa und Nordamerika. An der Gründung des europäischen Literaturnetzwerkes HALMA war das Literarische Colloquium Berlin beteiligt. Seit 1997 besteht die „Autorenwerkstatt Prosa“, in der junge Autoren ihre Texte vortragen und diskutieren, wobei sie auf einer Tradition des Literarischen Colloquiums aus den 1960er-Jahren aufsetzen. Auch Übersetzungen werden gefördert. Die (in der Regel völlig unterbezahlten) Übersetzer können Stipendien erhalten, wofür man den „Deutschen Übersetzerfonds“ gründete.

Sport

Der Wannseer Golf- und Land-Club Berlin ist relativ prominent. Der Berliner HC (Hockeyclub) stellte mehrfach die Deutschen Meister bei den Damen und Herren. Die Mannschaften spielen in der Bundesliga, ihre Heimstätte ist das Zehlendorfer Ernst-Reuter-Stadion. Die Familie Keller ist stark vertreten: Erwin Keller war Olympischer Silbermedaillengewinner, Andreas, Carsten und Natascha Keller errangen sogar Olympisches Gold. Der TuS Lichterfelde ist im Basketball sehr gut aufgestellt, verschiedene seiner Jugendmannschaften waren Deutsche und Berliner Meister. Der FC Viktoria 1889 gehört zu den größten Berliner Fußballvereinen, in ihm gibt es über 1.600 spielende Mitglieder. In Grunewald gibt es eine beliebte Radsport- und Inlineskaterstrecke, den vier Kilometer langen, asphaltierten, aber durch einen Wald führenden Kronprinzessinnenweg.

Steglitz-Zehlendorf: Wirtschaft

Die größten und wichtigsten Arbeitgeber sind zwei Gesundheitseinrichtungen: die Lungenklinik Heckeshorn, die zum Helios-Verbund gehört, und das Krankenhaus Waldfriede. Danach rangieren als Arbeitgeber die oben genannten wissenschaftlichen Institutionen. Der Einzelhändler Robert Lindner (Feinkost) spielt ebenfalls eine große Rolle. Zu nennen sind außerdem 3B Dienstleistung Deutschland und das Diakoniewerk Bethel. Die Steglitzer Schlossstraße ist ein bedeutendes Geschäfts- und Einkaufszentrum, sie umfasst mehr als 200.000 m² Verkaufsfläche. Hier sind die großen Einkaufszentren Das Schloss, Forum Steglitz und Boulevard Berlin angesiedelt, darüber hinaus haben sich viele teilweise mehrgeschossige Ladengeschäfte eingemietet. In den Seitenstraßen profitiert die Gastronomie vom Shopping-Besucherverkehr. Die Goerzallee, der Beeskowdamm und der Stichkanal liegen zentral im größten Gewerbegebiet des Stadtbezirks, das 77 ha umfasst. Hier haben sich rund 280 Unternehmen mit etwa 3.500 Beschäftigten angesiedelt. Die Autobahnen A100, 103 und 115 sowie die B1 führen durch Steglitz-Zehlendorf, was die Wirtschaft fördert. An den ÖPNV ist der Stadtbezirk ausgezeichnet über die S- und U-Bahn angeschlossen (S1, 2, 7, 25 und 26 sowie U3 und 9). Hinzu kommen zahlreiche Buslinien (auch Nachtlinien) und eine Fähre, die Fahrgäste nach Kladow über den Wannsee bringt.

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