Tempelhof-Schöneberg

Berlin-Tempelhof-Schöneberg

Der 7. Berliner Verwaltungsbezirk Tempelhof-Schöneberg entstand mit der 2001 durchgeführten Berliner Verwaltungsreform durch Fusion von Tempelhof und Schöneberg. Das neue Bezirksamt erhielt seinen Sitz im Rathaus Schöneberg. Wirtschaftlich sehr bedeutsam ist das Mercedes-Benz-Werk im Süden. Am Bahnhof Südkreuz etablierte sich das EUREF-Quartier als Zentrum für Energiewirtschaft. Der ehemalige Flughafen Tempelhof, nun das Tempelhofer Feld, ist ein Naherholungsgebiet.

  • Einwohner: 349.539 am 31. Dezember 2020
  • Fläche: 53,09 km²
  • Bevölkerungsdichte: 6.584 Einwohner/km²

Architektur in Tempelhof-Schöneberg

Die Architektur des Stadtbezirks wird durch viele Sakralbauten geprägt. Es gehören dazu die Dorfkirchen von Tempelhof, Mariendorf, Marienfelde, Lichtenrade und Schöneberg, die Kirche in Friedenau Zum Guten Hirten sowie die St. Matthias-Kirche am Schöneberger Winterfeldtplatz. Des Weiteren wären zu nennen:

  • Schöneberger St.-Elisabeth-Kirche
  • Schöneberger Apostel-Paulus-Kirche
  • Zwölf-Apostel-Kirche (Kurfürstenstraße)
  • Schöneberger Neuapostolische Kirche
  • Tempelhofer Herz-Jesu-Kirche
  • Kirche auf dem Tempelhofer Feld
  • St. Judas-Thaddäus (Tempelhof)
  • Mariendorfer Kirche Maria Frieden
  • Mariendorfer Martin-Luther-Gedächtniskirche
  • Mariendorfer Klosterkirche
  • Salvator-Kirche
  • Dietrich-Bonhoeffer-Kirche
  • Königin-Luise-Gedächtniskirche

Letztere gilt als einziger bedeutender evangelischer Kirchenbau auf dem Kiez „Rote Insel“ in Schöneberg. Der neobarocke Zentralbau entstand ab 1910 nach einem Architektenwettbewerb, den Fritz Berger gewonnen hatte. Die Einweihung der Kirche erfolgte im März 1912. Sie ehrte die Preußenkönigin Luise in ihrem 100. Todesjahr und an ihrem 136. Geburtstag bei der Grundsteinlegung. In der sozialdemokratisch geprägten Roten Insel war dies nicht unumstritten. Die Kirche steht heute unter Denkmalschutz und ist die Hauptpredigtstätte für die evangelisch-lutherische Königin-Luise-und-Silas-Kirchengemeinde. Das Kirchengebäude hat den Grundriss eines Oktogons, über dem schlichten Haupteingang erhellt ein mehrteiliges Rundbogenfenster den Saal gut mit Tageslicht. Den Altarbereich gestaltete 1979 der Berliner Bildhauer Volkmar Haase neu. Schon in den 1920er-Jahren war das Innere der Kirche aufwendig neu ausgemalt worden, wobei Hermann Sandkuhl mit Kaseinfarben Szenen aus dem Leben von Jesus Christus darstellte, die von der Tradition abwichen, indem sie ein soziales Christentum mit Bezug zur Arbeiterwelt thematisierten. Das passte zum Arbeitermilieu in Schöneberg. Den Stadtteil selbst integrierte der Künstler als Silhouette in die Bilder. Leider blieben diese Darstellungen nicht erhalten: Sie wurden 1962 bei einer Renovierung überstrichen.

Tempelhof-Schöneberg: Kulturstätten

In der Tempelhofer Columbiahalle mit 3.500 Plätzen finden Pop- und Rockkonzerte statt. Am Nollendorfplatz finden im Metropol ebenfalls Konzerte und private Veranstaltungen wie Abiturfeiern oder auch Galas statt. Im Bezirk gibt es die Leo-Kestenberg-Musikschule mit einem eigenen Orchester, dem Sinfonieorchester Tempelhof. Sehr bekannt sind zudem die ufaFabrik als Kulturzentrum und Urban Nation als Ausstellungshaus für städtische Gegenwartskunst in der Bülowstraße 7. Das vierstöckige Gebäude zeigt auch an seiner Fassade wechselnde Kunstwerke und im Inneren wechselnde Ausstellungen. Zudem ist hier die Martha Cooper Library untergebracht. Die Ausstellungen zeigen Werke zeitgenössischer Künstler, darunter:

  • Damien Hirst
  • Shepard Fairey
  • Lora Zombie
  • Fintan Magee
  • 1UP
  • Vhils
  • JR
  • Herakut

Auch finden hier regelmäßige Workshops für Jugendliche statt. Die Bülowstraße gehört ihrerseits zum sogenannten „Generalszug“, ihren Namen erhielt sie im Gedenken an die 1813 stattgefundenen Befreiungskämpfe gegen Napoleon. Der preußische General Friedrich Bülow von Dennewitz hatte napoleonische Verbände in den Schlachten bei Großbeeren und Dennewitz besiegt. Der sozialdemokratischen Tradition folgend fühlen sich viele Bewohner des Viertels der linken Szene zugehörig. In der Bülowstraße wurden bis Anfang der 1980er-Jahre Häuser besetzt, 1984 schließlich wurde dieser Zustand legalisiert. Heute verwalten sich diese Häuser selbst. In der Kunst tauchte die Straße in der Vorabendserie „Praxis Bülowbogen“ und in einem Roman von Gabriele Beyerlein auf.

Märkte und Feste im Stadtbezirk

Jeden Samstag findet ein Wochenmarkt am Winterfeldplatz statt, einmal jährlich gibt es ein Kürbisfest in der Akazienstraße in Schöneberg. Zur Weihnachtszeit veranstaltet die Apostel-Paulus-Kirche Gospelkonzerte. Diese Tradition entstand in den 1990er-Jahren.

Homosexuelle Szene in Tempelhof-Schöneberg

Der Stadtbezirk ist für seine Lesben- und Schwulenszene bekannt. Hotspots sind die Fugger- und die Motzstraße sowie der Nollendorfplatz im Nollendorfkiez, wo es für dieses Publikum zahlreiche Kneipen und Bars gibt. Im Sommer richtet der Stadtbezirk ein lesbisch-schwules Stadtfest mit Shows, Informationsständen und Verkaufsbuden aus, das mehrere Hunderttausend Besucher aus der ganzen Welt anzieht. Dieses Szene hat sich schon in den 1920er-Jahren entwickelt, wurde dann von den Nationalsozialisten unterdrückt, was nicht völlig gelang, und lebte sofort nach dem Krieg wieder auf.

Tempelhof-Schöneberg in der Kunst

Der britische Autor Christopher Isherwood griff die Szenerie in Tempelhof-Schöneberg in seinem autobiografischen Roman „Leb wohl, Berlin“ auf. Er hatte hier gewohnt. Sein Roman diente als Sujet und Handlungsvorlage für das weltberühmte Musical Cabaret. Wim Wenders drehte Teile seines Films „Himmel über Berlin“ in Schöneberg.

Sport

Seit 2015 findet der Berlin ePrix der Formel E auf dem Tempelhofer Feld statt. Die Trabrennbahn Mariendorf gehört zu den traditionsreichen deutschen Pferderennbahnen schon seit 1895. Alljährlich findet dort das das Deutsche Traber-Derby statt. Einer der größten Sportvereine des Stadtbezirks ist der Olympische Sport-Club, er hat rund 2.500 Mitglieder. Der Name ist Programm: Die Sportler konnten schon sieben Olympiamedaillen gewinnen, außerdem 37 Medaillen bei Europa- und Weltmeisterschaften sowie Weltspielen. Hinzu kommen 280 Deutsche Meisterschaften. Im Sportzentrum Schöneberg gibt es eine der größten Berliner Schwimmhallen, in der auch Wettkämpfe ausgetragen werden. Das Stadtbad Schöneberg ist ein sehr bekanntes Hallenbad für den Freizeitbereich. Seit das Tempelhofer Feld dem öffentlichen Publikum zur Verfügung steht, nutzen es die Berliner als Trainings- und Übungsplatz. Das riesige Areal bietet unter anderem für Windskater und Kiteboarder sehr viel Platz.

Hochschulen in Tempelhof-Schöneberg

Im Stadtbezirk sind die Hochschule für Wirtschaft/Recht und die SRH Hochschule für populäre Künste angesiedelt.

Wirtschaft

  • Burmester Audiosysteme GmbH: Das Unternehmen wurde im Stadtteil Schöneberg gegründet. Seine Audiokomponenten im Premiumsegment genießen weltweites Renommee.
  • Mercedes-Benz-Werk Berlin: Das Werk wurde in Marienfelde schon 1902 errichtet und gehört heute mit rund 2.500 Beschäftigten zu den größten industriellen Arbeitgebern der Hauptstadt.
  • Bahlsen: Die Backwarenfirma aus Hannover lässt in der Oberlandstraße produzieren und bietet in der Ordensmeisterstraße den Fabrikverkauf an.
  • Procter & Gamble: Der US-amerikanischen Klingenhersteller ist ebenfalls in der Oberlandstraße angesiedelt, wo er seine Gillette-Rasierklingen herstellen lässt.
  • KaDeWe: Das weltberühmte Kaufhaus des Westens am Schöneberger Wittenbergplatz ist ein Besuchermagnet und gleichzeitig ein wirtschaftliches Schwergewicht in Tempelhof-Schöneberg. Auf 60.000 Quadratmetern Verkaufsfläche wird durchweg gehobenes Sortiment angeboten. Das KaDeWe, auch hinsichtlich der Fläche deutscher Spitzenreiter und unter den europäischen Top 5, trotzt auch im neuen Jahrtausend dem Trend zur Verkleinerung von gigantischen Kaufhäusern. Es überzeugt mit seinem besonderen Konzept des luxuriösen Einkaufserlebnisses, das der Gründer Adolf Jandorf schon seit der Eröffnung 1907 verfolgte. In den letzten mehr als 100 Jahren wurde es mehrfach aus- und umgebaut und ging an verschiedene Besitzer, im Zweiten Weltkrieg brannte es einmal aus. Die schon Ende der 1920er-Jahre eingerichtete Feinkostabteilung („Feinschmeckeretage“) gilt als Sensation. Der Gründer Jandorf war seinerzeit ein erfahrener Kaufmann, er besaß bei der Eröffnung des KaDeWe schon sechs Berliner Warenhäuser. Diese boten allerdings eher einfachen Bedarf an. Mit dem KaDeWe zielte er auf die Oberschicht des wilhelminischen Zeitalters – mit Erfolg. Erstaunlich ist dessen Anhalten über die wahrhaft wechselhaften Zeiten bis heute, was sich wohl nur mit einer ganz besonderen Kultur in diesem Konsumtempel erklären lässt.
  • EUREF-Campus: EUREF steht für Europäisches Energieforum. Der Campus in Schöneberg beim dortigen Gasometer versammelt Unternehmen aus den Sektoren Energie, Mobilität und Nachhaltigkeit. Unter anderem hat die GASAG hier ihre Firmenzentrale.
  • Medien: Das Deutschlandradio hat in Schöneberg seinen Sitz. 2020 errichtete Sony Music Entertainment seine Deutschlandzentrale in diesem Berliner Stadtbezirk. Auch Springer Nature (Buchverlagsgruppe) ist hier angesiedelt.
  • Handwerk: Rund acht Prozent der Berliner Handwerksbetriebe haben ihren Sitz in Tempelhof-Schöneberg.

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